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In noch jungen Jahren hatte Spielzeug nur sehr wenig Bedeutung für mich, denn trotz großzügiger Eltern wollte sich nie etwas wirklich Interessantes in meiner Spielzeugkiste finden lassen. Aus diesem Mangel heraus musste ich mich also mit dem beschäftigen, was mir blieb, wie z.B. mit der Mutterbrust und dem Ausspionieren der Aktivitäten meiner deutlich älteren Schwester und deren Freundinnen. Ich war also schon im zarten Alter fast verloren, wären da nicht meine ersten gleichaltrigen Freunde gewesen, die mich mit der Weisheit segneten: "Mädchen sind doooof".
Also doch wieder zurück zur Spielkiste. Und nach etwas intensiverer Beschäftigung mit meinem dortigen Bestand und einem anschließenden Vergleich mit den Verpackungen, die ich Jahr für Jahr an meinem Geburtstag und an Weihnachten geöffnet hatte, fiel mir auf, dass da etwas nicht stimmen konnte.
Strahlten mich auf den Verpackungen noch die herrlichsten kleinen Männchen an, die ich mir mit kindlicher Fantasie vorstellen konnte, so waren die mir verbliebenen Reste nur armselige Überbleibsel.
Fraglich war nun, wo die ganzen geschenkten Spielsachen geblieben waren, die sich meine Eltern und Verwandte vom Munde abgespart hatten, um sie ihrem kleinen goldigen Jungen zu überreichen.
Die Erkenntnis kam in Person meines fünf Jahre älteren Cousins Jürgen - denn die mir gebliebenen Playmobilreste waren lediglich die Sachen, die nicht an seinen klebrigen und gierigen Fingern zufällig hängen geblieben waren. Durch meine sofort eingeleiteten Überwachungsmaßnahmen musste ich feststellen, dass er für meine schönen Playmobils nicht nur in seinen Hosen- und Jackentaschen Platz fand, nein, waren diese nach Besuchen von ihm reich gefüllt, wurden dann noch die Socken und sogar die Unterhose beladen (Tatsache).
Was nun folgte war ein ständiger "Umzug" der von uns beiden so verehrten Playmobilmännchen (die Frauen wollte eh keiner). Denn hatte ich mir schon das eine oder andere von meinem älteren Cousin und großem Vorbild abgeschaut, so kam nun der völlig unbemerkte, kaltblütige und erbarmungslose Diebstahl hinzu.
Weiterhin begann zu dieser Zeit ein wahres Wettrüsten an Massenplaymobilmitteln, vergleichbar mit einem anderen geschichtlichen Phänomen dieser Zeit. Eltern und Verwandte wurden durch hysterische Schreikrämpfe dazu genötigt sich bei ihren Geschenken nur auf das geliebte Playmobil zu beschränken. Und Art und Menge der Präsente waren vor den jeweiligen Festen besser genau mit uns abzusprechen, um sich nicht den erbitterten Zorn eines verwöhnten Kindes zuzuziehen.
Die Jahre zogen durch´s Land und als keiner mehr wirklich wusste, was ihm einmal gehörte, kam meinem Cousin der geniale Einfall: ich erinnere mich noch genau, er nannte es damals "Fusion", und er wollte damit den Grundstein eines wahren Playmobilimperiums legen…. Da sich meine kriminelle Energie nie mit der meines Cousins messen konnte und ich einfach mit den Jahren müde wurde, willigte ich ein und der sich zwischen uns gebildete eiserne Vorhang der Playmobilreiche wurde eingerissen.
Das Lager für die über die Jahre angehäuften enormen Mengen an Playmobil wurde natürlich, wie sollte es auch anders sein, bei meinem Cousin angelegt - und die erste feindliche Übernahme der Geschichte war vollzogen.