Nürnberg. Unaufhaltsam scheint der Siegeszug der Playmobil-Figuren. Während der deutsche Spielwarenmarkt 2004 die Konsumflaute spürte und an Volumen verlor, meldet der fränkische Hersteller ein Inlandsplus von satten 15 Prozent. Und dies, obwohl Playmobil anders als viele Konkurrenten nicht nach Fernost abgewandert ist, sondern ausschließlich in Europa produziert - überwiegend im teuren Deutschland, wo sogar noch neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.
"Playmobil war 2004 der Hauptgewinner im Spielzeugland und hat beste Chancen, 2005 dieses Ergebnis zu toppen", sagt Branchenkenner Otto Umbach vom Einkaufsverbund idee+spiel. Werner Lenzner vom Marktforscher eurotoys sieht die von Playmobil angebotenen "Spielwelten" als den Garanten für steigende Umsätze. Tatsächlich erwirtschaftet die Firma von Alleininhaber Horst Brandstätter, die geobra Brandstätter GmbH & Co. KG aus Zirndorf bei Nürnberg, seit Jahren kräftige Zuwächse. 2004 stiegen die weltweiten Playmobil-Erlöse um elf Prozent auf 359 Millionen Euro. Geschäftsführerin Andrea Schauer nennt mehrere Ursachen für die Erfolgsstory. Das Unternehmen verhalte sich in vielerlei Hinsicht anders als die Konkurrenten: "Kein Erwerb teurer Lizenzen, keine Computerspiele, keine Fernost-Fertigung, Verzicht auf Horror und Gewalt." Playmobil konzentriere sich auf seine Kernkompetenz, das Rollenspiel. "Dabei setzen wir klar auf den Produktionsstandort Europa", betont Schauer. Man habe zwar mal nach Fernost "hingeguckt", aber: "Einsparungen um jeden Preis sind nicht unser Ding."
Qualität, Marktnähe und schnelle Lieferfähigkeit zählen für das Management mehr. Brandstätter will deshalb in diesem Jahr rund 50 Mio. Euro in die europäischen Standorte investieren. Die Hälfte fließt in das Stammwerk im fränkischen Dietenhofen. Auch die Werke in Malta und Tschechien werden ausgebaut. Von den knapp 2500 Mitarbeitern sind 1343 in Zirndorf und Dietenhofen beschäftigt. "In den letzten sechs Jahren haben wir in Deutschland 430 neue Arbeitsplätze geschaffen", sagt der kaufmännische Geschäftsführer Franz Höhe.
Die Konsumenten scheinen es zu honorieren. Drei der Playmobilprodukte - Königsritterburg, Drachenfestung und Arche Noah - führten laut Eurotoys 2004 die Rangliste der zehn meist verkauften Spielwaren in Deutschland an. Im November gelang es den Franken erstmals, sich als Nummer eins auf dem deutschen Markt zu platzieren, noch vor Mattel und Lego. Der Marktanteil im Inland stieg auf 8,4 Prozent - damit ist Playmobil Nummer drei, und viel fehlt nicht mehr zur Spitze.
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